Lebensmittelbetrug 2017-08-14T13:50:48+00:00

Lebensmittelbetrug

Auf Kosten der Verbraucher

Lebensmittelbetrug hat Hochkonjunktur: Vermeintlich naturbelassener Honig wird zusätzlich mit Zucker versetzt, Gemüse aus dem konventionellen Anbau wird als Bio-Ware gekennzeichnet und mit Salatöl gemischtes Olivenöl wird als Premiumware deklariert. Doch Lebensmittelfälschungen sind nicht nur minderwertig und überteuert. Plagiate können für den Verbraucher auch gesundheitsschädlich sein. Etwa dann, wenn Allergenkennzeichnungen fehlen oder Produkte mit verbotenen Substanzen gestreckt sind.

Entsprechend hohe Aufmerksamkeit hat das Thema bei den Verbrauchern. Nach Angaben des Grünbuchs „Ernährung, Landwirtschaft, Ländliche Räume“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) aus dem Jahr 2016 ist die Sicherheit von Lebensmitteln für 97 Prozent der Verbraucher wichtig oder sehr wichtig. Es zählt damit zu den Verbraucherschutzthemen Nummer eins in Deutschland.

Doch die Herausforderungen an den gesundheitlichen Verbraucherschutz steigen: Warenströme sind global stark vernetzt und Produkte beinhalten Zutaten aus aller Welt. So wirkte sich beispielsweise der Gammelfleisch-Skandal in Brasilien Anfang 2017 bis nach Europa und Deutschland aus.

Fest steht, dass Kriminelle die Unübersichtlichkeit in der globalen Lieferkette nutzen. Ein lukratives Geschäft: Die Gewinnmargen sind hoch, das Risiko entdeckt zu werden gering. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sieht die Gewinne bei Lebensmittelbetrug gleichauf mit den Erträgen bei dem Drogenhandel. Betroffen ist vor allem der grenzüberschreitende Handel mit Lebensmitteln. Dabei werden dem Zoll beim Import gefälschte Papiere vorgezeigt, Lieferketten sowie die Herkunft der Produkte verschleiert. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert: Europol und Interpol haben in gemeinsamen Ermittlungen zwischen den Jahren 2011 und 2016 über 31.000 Tonnen sowie mehr als 3 Millionen Liter gefälschte und minderwertige Produkte sichergestellt.

Um Verbraucher vor Lebensmittelfälschungen zu schützen, sind alle am Produkt beteiligten Akteure gefordert – vom Landwirt und dem Verarbeiter über den Logistiker bis hin zum Händler. Auch Kontrollstellen sowie Wissenschaft und Politik müssen eng verzahnt arbeiten, um das hohe Niveau der Lebensmittelsicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Alle Akteure folgen in ihrer Arbeit den sieben Grundprinzipien der Lebensmittelsicherheit.

Zu diesen zählt auch die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln. Nach diesem Prinzip sind alle Akteure der Lebensmittelkette in der Europäischen Union verpflichtetet nachzuweisen, woher ihre Lebensmittel und Rohstoffe stammen. Die Lebensmittel werden durch alle Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsstufen rückverfolgt. In Zeiten stark vernetzter Warenströme rund um den Globus ist dieser Identitäts- und Herkunftsnachweis ein wichtiger Garant für Lebensmittelsicherheit.

Um den Lebensmittelfälschern stets einen Schritt voraus zu sein und Verbraucher effizient zu schützen, sind Innovationen notwendig. Ziel der IISW ist es daher, gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Forschung über die richtigen Rahmenbedingungen für innovative Technologien bei der Rückverfolgung von Lebensmitteln zu debattieren.

Quellen:
1: http://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/03_Verbraucher/16_Food_Fraud/02_Was%20ist%20Lebensmittelbetrug/Was%20ist%20Lebensmittelbetrug_node.html
2: Bundesministerium für Ernährung und Lebensmittelsicherheit. Referat 311 – Internationale Lebensmittelsicherheitspolitik. Januar 2016. Lebensmittelsicherheit verstehen. Fakten und Hintergründe.

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