Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zählt die Marken- und Produktpiraterie zu den größten Gefahren für die Wirtschaft in Industrieländern. Insbesondere die aktuellen Bedingungen im Onlinehandel machen es Kriminellen leicht, ihr Geschäft mit Produktfälschungen zu betreiben. Die Initiative Innovationskraft für Sicherheit in der Wirtschaft (IISW) hat gemeinsam mit sieben Partnern aus der Wirtschaft Vorschläge entwickelt, wie der Produktpiraterie im Onlinehandel ganzheitlich und effektiv begegnet werden kann.

Der illegale Onlinehandel wird in jeder Beziehung unterschätzt. Zum einen ist das Marktvolumen bei gefälschten Produkten inzwischen größer als der gesamte Drogenhandel. Die Organisierte Kriminalität in Europa verdient mit gefälschten Luxusmarkenartikeln, Medikamenten und Kinderspielzeug pro Jahr 42,7 Milliarden Euro und damit rund ein Drittel mehr als mit Cannabis & Co. Zum anderen hat sich insbesondere der Onlinehandel als internationaler Vertriebskanal zum Eldorado für Betrüger entwickelt. Fälscher nutzen offizielle Handelsplattformen und normale Logistikdienstleister für ihre kriminellen Geschäfte.

Die Mechanismen der Plattformökonomie sind derzeit nicht darauf ausgerichtet, Lug und Betrug vorzubeugen. Dazu zählt, dass Anbieter wie Amazon, Alibaba oder ebay meist gar nicht selbst als Händler fungieren, sondern ihre Onlineportale als Infrastruktur Dritten zur Verfügung stellen. Die Haftung für deren Angebote wollen die modernen Kaufhausbetreiber nur ungern tragen.

Letztlich ist es auch die schiere Menge, die die Behörden vor unlösbare Probleme stellt. Seitdem jeder Kunde seine Jeans online am anderen Ende der Welt bestellen kann, hat die Masse an Kleinsendungen astronomische Größen erreicht. Dabei werden schon heute nur noch zwei bis fünf Prozent der in die EU gelieferten Waren überhaupt kontrolliert. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen.

„Zeit zu handeln“

„Es gibt inzwischen zahlreiche Forderungen von Markenherstellern nach mehr Sicherheit im Netz. Genauso gibt es viele Beteuerungen der Plattformbetreiber, dem illegalen Onlinehandel einen Riegel vorzuschieben. Doch allgemeine Forderungen und Lippenbekenntnisse reichen nicht. “Es ist Zeit zu handeln – und zwar konkret“, meint Thomas Franke, Leiter der Initiative Innovationskraft für Sicherheit in der Wirtschaft (IISW). Er hat im letzten Jahr den Arbeitskreis „Sicherheit im Onlinehandel“ gegründet. In mehreren Treffen haben sich unter anderem der DIHK, BDI, bitkom und verschiedene Unternehmen in die Diskussion eingebracht.

Nun hat der Arbeitskreis ein Positionspapier mit Vorschlägen erarbeitet, wie der Onlinehandel mit Produktfälschungen ganzheitlich, nachhaltig und effektiv eingedämmt werden kann. Dazu gehören Öffentlichkeitskampagnen, um das Bewusstsein für die Dimension des Problems bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu erhöhen. Der Arbeitskreis fordert auch, dass die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Plattformbetreibern und betroffenen Unternehmen verbessert werden muss und zeigt auf, wie dies geschehen kann. Zudem sollten laut den Unterstützern des Positionspapiers Plattformbetreiber stärker in die Pflicht genommen werden, gegen Produktpiraterie auf ihren Markplätzen vorzugehen. Wie genau das geschehen soll, zeigt das Positionspapier ebenfalls auf. Zusätzlich sollten die Sicherheitsbehörden personell und materiell besser aufgestellt sein, um Kontrollen und Strafverfolgung auch im virtuellen Raum zu gewährleisten. Nicht zuletzt fordert der Arbeitskreis, das Strafmaß zu erhöhen bzw. konsequenter auszuschöpfen. Dies betrifft vor allem gewerbliche Fälscher, sprich Produzenten und Anbieter von Plagiaten sowie Verbraucher, die wissentlich und zum wiederholten Mal Fälschungen kaufen.

Zu den Unterzeichnern des Papieres gehören: Händlerbund e.V., VKE Kosmetikverband e.V., Bundesverband Werteorientierter Mittelstand Deutschland e.V., Bruder Spielwaren GmbH, Aktion Plagiarius e.V., Philip Morris GmbH sowie die Rechtsanwaltskanzlei Busse & Partner für gewerblichen Rechtsschutz.

Das Positionspapier finden Sie hier.