Nachdem die IISW schon im Herbst und Winter vergangenen Jahres in Kooperation mit dem Handelsverband Österreich und dem Bundesverband e-Commerce und Versandhandel (bevh) branchenübergreifende Netzwerktreffen organisierte, trafen sich nun zum dritten Mal Expert*innen, um über Sicherheit im (Online-)Handel zu sprechen. Partner und Mitausrichter war dieses Mal der Händlerbund.

Am 11. April kam ein interessanter Kreis aus neuen und bekannten Teilnehmern*innen zusammen, um über die Gefahren von Produktpiraterie für Unternehmen und Verbraucher im Onlinehandel zu diskutieren. Neu dabei waren unter anderem Andreas Walter, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Tabea Rößner (MdB), der verbraucherschutzpolitischen Sprecherin von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN, David Baumgart, Director Government Relations Europe der Alibaba Group sowie Sebastian Kollberg, Referent für Innenpolitik von Konstantin Kuhle, dem innenpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

Mit Karl-Heinz Aufmuth, Geschäftsführer der Landesgruppe NRW der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Zwickel, zuständig für Markenrecht und Bekämpfung der Produktpiraterie im Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz sowie Martin Ruppmann, Geschäftsführer des VKE-Kosmetikverbandes waren bekannte Gesichter bei dem IISW-Event vertreten, die an dieser Veranstaltungsreihe zur Sicherheit im Onlinehandel jedoch erstmals teilnahmen.

Thomas Franke, Leiter der IISW, wies zu Beginn auf die Relevanz des Themas für die europäische Wirtschaft hin: „Seit 1998 ist der Anteil aufgegriffener Schmuggelware an den EU-Außengrenzen um 1000 Prozent gestiegen. Inzwischen sind nach konservativen Schätzungen rund 7 Prozent aller Importwaren gefälscht. Beide Zahlen verdeutlichen, dass es sich mitnichten um eine Kleinigkeit handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass es bisher kein wirksames Mittel gibt, dem Ganzen Einhalt zu gebieten. Schmuggel und Produktpiraterie boomen. Das muss verhindert werden!“

Dass der Onlinehandel hier ein wichtiger Partner sein muss, steht außer Frage. Richtig ist aber auch, dass noch zu viel Schmuggel und Produktpiraterie über große Portale stattfindet – zum Schaden für die Portale selbst. Mitunter untersagen Qualitätshersteller ihren Großhändlern den Vertrieb über Portale oder Preissuchmaschinen. Eine Vorgehensweise, die unter anderem im Hi-End-Hi-Fi-Bereich üblich ist. Beide Seiten, Hersteller wie auch Händler, berauben sich damit gegenseitig ihrer Marktchancen, weil Kriminelle die Onlineplattformen für ihre Machenschaften zu missbrauchen wissen.

Um dieses Problem herum entfachte sich eine anregende, konstruktive Debatte, die aus Gründen der Vertraulichkeit hier nicht nachgezeichnet werden kann. Jede(r) Teilnehmer*in machte die eigene Betroffenheit deutlich und formulierte Erwartungen, wie dem Problem begegnet werden sollte. Einer der Teilnehmer fasste den Austausch sinngemäß wie folgt zusammen, dass man ohne Zusammenarbeit zwischen Behörden, Händlern und Produzenten Produktpiraterie nie in den Griff bekäme. Harte Regulierung helfe jedoch ebenso wenig. Vielmehr solle man unter anderem beim Verbraucher selbst ansetzen, meinte ein weiterer Teilnehmer. Einige Teilnehmer*innen betonten die Bedeutung von Transparenz, Verbraucheraufklärung, einheitlicher Standards sowie einer besseren Koordinierung zwischen der Industrie und den Strafverfolgungsbehörden.

Mit welchen Maßnahmen das Problem konkret bekämpft werden kann, wird im Rahmen der IISW nun erarbeitet werden. Auch bei der dritten Veranstaltung wurde der Wunsch nach einem regelmäßigen und branchenübergreifenden Arbeitskreis geäußert, der pragmatische und zielführende Lösungsvorschläge erarbeiten soll. Dieser Arbeitskreis wird voraussichtlich Ende Mai erstmals in Berlin zusammenkommen. Interessenten können sich bereits gerne unter info@innovationskraft.info anmelden.