Illegaler Handel, Drogen, Geldwäsche – jeder Staat fürchtet sich davor. Die aktuelle Diskussion in Großbritannien zeigt, was passiert, wenn ein Staat ein Netzwerk zur internationalen Zusammenarbeit verlassen möchte.

Wer die Nachrichten dieser Tage verfolgt, mag den Eindruck eines chaotischen politischen Prozesses gewinnen. Doch viel mehr als die in den Medien dargestellten Verhandlungen und das politische Hin und Her sind es die drohenden Konsequenzen, die die Briten beunruhigen sollten. Diese Konsequenzen könnten nämlich lebensgefährlich sein.

Das British Medical Journal stellt klar: Der Brexit werde massive Auswirkungen auf die Menschen im Vereinigten Königreich haben. Mit Bezug auf das „European Monitoring Cenre for Drugs and Drug Addiction“ (EMCDDA) schreibt das BMJ: „Die Experten dort sind überzeugt davon, dass die durch den Brexit beendete Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien schwerwiegende Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit mit sich bringen wird.“

Denn die Briten sind auf die Zusammenarbeit mit dem EMCDDA und Europol dringend angewiesen, wenn es darum geht, illegale Substanzen, Drogen und die damit verbundene Organisierte Kriminalität (OK) zu bekämpfen.

Die OK macht der britischen Regierung allerorten Sorgen. So hat der Innenminister am 14. Januar eine neue Task Force gegründet, die sowohl das Innenministerium als auch Vertreter des Finanz- und Bankensektors umfasst, um die Wirtschaftskriminalität in den Griff zu bekommen. Selbst zu EU-Zeiten werden die Auswirkungen von Betrug, Bestechung, Korruption und Geldwäsche auf jährlich 14,4 Milliarden Pfund pro Jahr in Großbritannien geschätzt. Der Task Force gehören CEOs und Chief Executives der Bankinstitute Barclays, Lloyds und Santander sowie hochrangige Vertreter von UK Finance, der National Crime Agency (NCA) und der Solicitors Regulation Authority, der Buchhalter-Affinity Group und der National Association of Estate Agents an.

Im Vergleich zum Schaden für die britische Wirtschaft und Bevölkerung scheinen die investierten Mittel in Aufklärung und Strafverfolgung bescheiden zu sein. Für die kommenden zwei Jahre seien für die Reform der Verdachtsmeldungen sowie für die gesamten Strafverfolgungskapazitäten insgesamt 48 Millionen Pfund vorgesehen. Dahingegen gäben die Banken bereits über 5 Milliarden Pfund pro Jahr für die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität aus. Die Verhältnisse scheinen klar zu sein: Unternehmen, die einen sicheren Markt und Finanzplatz nutzen wollen, müssen dafür selbst weitaus mehr Geld in die Hand nehmen, als es die britische Regierung tun wird – und es wohl auch tun kann. Denn mit dem Wegfall der EU als Mittelgeber für eine gemeinsame und koordinierte Sicherheitspolitik wird es Großbritannien noch schwererfallen, dem eigenen Anspruch an das „sicherste und transparenteste Finanzzentrum der Welt“, so Bob Wigley von UK Finance, gerecht zu werden.