„Kleinvieh macht viel Mist“ – Produktfälschungen meist in kleinen Paketen

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„Kleinvieh macht viel Mist“ – Produktfälschungen meist in kleinen Paketen

Wenn die Zollbehörden Fälschungen und unerlaubt hergestellte Waren entdecken, haben sie meist vorher ein kleines Paket geöffnet. 62 Prozent der gefundenen Fälschungen wurden in kleinen Postsendungen mit nur einem Gegenstand pro Paket verschickt. 5 Prozent der EU-Einfuhren sind Fälschungen.

Aus einem neuen Bericht des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) geht hervor, dass mehr als sechs von zehn Beschlagnahmungen gefälschter oder unerlaubt hergestellter Waren kleinere Pakete oder Päckchen betreffen, die über Post- oder Kurierdienste versendet werden. Die Untersuchungen wurden in Zusammenarbeit mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführt und zeigen, dass die Zollbehörden in zunehmendem Maße kleine Postsendungen mit gefälschten und unerlaubt hergestellten Waren beschlagnahmen, wenngleich Lieferungen in Großcontainern mengen- und wertmäßig den Großteil des Verkehrs gefälschter Waren ausmachen. Aus dem Bericht geht hervor, dass es sich bei diesen Kleinsendungen meistens um Pakete oder Päckchen mit nicht mehr als zehn Gegenständen handelt und dass nahezu alle Wirtschaftszweige kleine Sendungen nutzen, wenn auch im unterschiedlichen Umfang.

Kleinsendungen würden vor allem für Verbrauchsgüter genutzt. Der Studie zufolge enthielten 84 % der beschlagnahmten Sendungen gefälschte Schuhe, 77 % gefälschte optische, fotografische und medizinische Produkte (hauptsächlich Sonnenbrillen) und 63 % enthielten gefälschte Uhren oder Ledererzeugnisse wie Gürtel, Handtaschen und Schmuck, die jeweils in kleineren Paketen gefunden wurden. Mehr als die Hälfte der weltweit beschlagnahmten Postpakete enthielten nur einen Gegenstand. 
Der Exekutivdirektor des EUIPO, Christian Archambeau, erklärt dazu: „Unser Bericht analysiert ein wachsendes und beunruhigendes Phänomen im Bereich der Produktfälschung. Kleine Paketsendungen, die über Post- oder Kurierdienste versendet werden, sind für Zollbeamte schwieriger zu verfolgen und zu beschlagnahmen. Wir hoffen, dass die Erkenntnisse der Studie für die politischen Entscheidungsträger bei der Ausarbeitung von Methoden zur Fälschungsbekämpfung von Nutzen sein werden. Allerdings werden die meisten gefälschten Waren hauptsächlich über Container und andere Seefracht in die EU eingeführt.“

Thomas Franke, Leiter der Innovationskraft für Sicherheit in der Wirtschaft (IISW) erklärt dazu: „„Das Import-Shopping“ über die so genannten China-Shops hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Mit dieser wahren Flut von Kleinsendungen sind die Zollbehörden überfordert. Aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher sollten vorsichtig sein. Die vermeintlichen Schnäppchen sind mitunter gefälscht, wie die Zahlen des EUIPO zeigen. Hinzukommen Zoll- und Versandgebühren, die den eigentlich niedrigen Preis in die Höhe treiben.“

In dem Bericht des EUIPO werden die Herausforderungen hervorgehoben, mit denen die Zollbehörden konfrontiert sind, wenn sie die Verbreitung gefälschter Waren über kleine Postendungen bekämpfen wollen. Informationen wie Schiffsmanifeste und die Unterstützung von Zollagenten fehlen beim Import-Shopping in der Regel. Daher könnten Daten von Post- und Kurierdiensten eine wertvolle Ressource für die Arbeit bei der Durchsetzung darstellen, wenn sie den Zollbehörden zur Verfügung gestellt würden. Hier muss in der Zukunft mehr geschehen, um die Vernetzung der Akteure und die Zusammenarbeit unter Berücksichtigung geltender Datenschutzbestimmungen gewährleisten zu können.

Den vollständigen Bericht von EUIPO und OECD können Sie sich hier auf Englisch herunterladen.

2019-01-21T15:06:05+00:0020. Dezember 2018|Logistik, News, Online-Handel|