Zusammenarbeit und Veränderung

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Zusammenarbeit und Veränderung

Am zweiten Tag der BKA-Herbsttagung ging es um grundsätzliche Dinge: Die Zusammenarbeit der deutschen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) mit Wirtschaftsunternehmen und um die Frage, ob und wie sich das BKA überhaupt verändern muss.

Wie es sich für einen Techniker gehört, war der Vortrag von Stephan Micklitz, Engineering Director von Google Germany sachlich und nüchtern. Doch eigentlich ist Micklitz so etwas wie der Chef des BKA. Das ist den anwesenden Experten sehr bewusst. Sie sind abhängig von externen Technikern wie Micklitz. Wenn die Polizeiexperten nämlich von Digitalisierung sprechen und davon, dass Straftäter ihre Aktivitäten immer mehr in das Internet verlagern, dann hat das BKA in Wiesbaden keine unmittelbaren Zugriffsrechte. Man kann nicht eine Hausdurchsuchung anordnen oder einfach durch die Tür spazieren und ein paar Aktenordner mitnehmen. Nein, die Daten liegen verteilt auf den Servern der Internetgiganten wie Google. Wenn Kriminelle eines der beliebten Google-Produkte wie Gmail benutzen, dann liegen ihre Daten bei eben diesem Unternehmen. Für BKA, BND, Verfassungsschutz & Co. heißt dass: Anklopfen und um Einlass bitten.

Daher ist dieser Passus auf einer der Google-Folien auch umschrieben mit „Ersuchen um Offenlegung von Nutzerdaten“. Die deutschen Behörden ersuchen Google immer häufiger. Innerhalb von wenigen Jahren ist die Zahl der betroffenen Nutzerkonten von wenigen Tausend auf mehr als Hunderttausend gestiegen – pro Halbjahr. Selbstverständlich ist das deutsche Google zur Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden verpflichtet. Kritik wird jedoch laut an der wohl zögerlichen Behandlung der Anfragen. Ein Thema, das nur ausweichend beantwortet wird.

Dabei unternimmt Google schon sehr viel (aus eigener Motivation), um die Sicherheit im Internet und damit die Sicherheit seiner eigenen Produkte zu gewährleisten. Die Zahlen sind immens. Pro Minute filtert Google 10 Millionen Spam-Nachrichten aus dem Mailverkehr heraus. Ebenfalls im Minutentakt werden durchschnittlich 7.000 betrügerische URLs blockiert und 6.000 Hinweise zu unerwünschter Software an Google-Chrome Nutzer versendet. Google setzt Künstliche Intelligenz (KI) ein, um zum Beispiel auf Youtube gewalthaltige Videos zu erkennen und automatisch zu entfernen. Innerhalb von sechs Monaten tut das Unternehmen dies rund 150.000-mal.

Die Masse an Daten, die Arbeitsphilosophie in der digitalisierten Arbeitswelt und die internationalen Abhängigkeiten stellen die Sicherheitsbehörden vor völlig neue Herausforderungen. Das staatliche Gewaltmonopol ist eben nicht gleichzusetzen mit einem staatlichen Datenmonopol. Aber ohne Daten wird Strafverfolgung im Internet unmöglich. Das BKA und alle weiteren BOS sind auf die Privatwirtschaft angewiesen. Eine neue Perspektive für Viele.

Im Anschluss redet Dr. Klaus Doppler, ein anerkannter Psychologe, auf die Behördenvertreter ein. Der 79jährige „Change-Management“-Berater spricht von der Zukunftsfähigkeit von Organisationen und dass Veränderung nur im Einklang mit dem Top-Management gelingen kann. Er spricht davon, dass sich die Führungsebene mit den Kolleginnen und Kollegen an der Basis zusammensetzen soll, um die Probleme dort zu verstehen. Ohnehin geht es an diesem Tag dann nur noch um „Führung und Personalmanagement“. Denn: Was nutzen neue finanzielle Mittel und neue Technologien, wenn die Anwender in einem starren Hierarchie- und Rollenverständnis arbeiten? Das BKA steht vor gewaltigen Herausforderungen, extern aber auch intern.

2018-11-23T13:44:14+00:0023. November 2018|News, Unkategorisiert|