Wirtschaft, bitte melden!

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Wirtschaft, bitte melden!

Vor zwei Jahren die Initiative Wirtschaftsschutz (IWS) in Berlin gegründet und kämpft seither vor allem gegen das mangelnde Interesse des Mittelstands an einer Zusammenarbeit mit den Behörden beim Kampf gegen Kriminalität. Gestern trafen sich die Akteure wieder in Berlin und zogen eine durchwachsene Bilanz.

Die IWS repräsentiert das Who‘s who der Wirtschaftssicherheit: Partner sind der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), die Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW) und der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW). Sie treiben die Initiative gemeinsam mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz, dem Bundeskriminalamt, dem Bundesnachrichtendienst sowie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) voran. Insgesamt sind aktuell rund 3.000 Unternehmen beteiligt. An Know-how und Vernetzung mangelt es also nicht. Ein ganz wesentlicher Teil der deutschen Wirtschaft ist jedoch nicht ausreichend präsent: Die kleinen und mittelständigen Unternehmen beteiligen sich nicht in ausreichendem Maße am Kampf gegen die sie selbst treffende Kriminalität.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Prof. Dr. Günter Krings, stellt fest: „Nicht einmal jedes dritte Unternehmen wendet sich bei Schädigungen an die Behörden.“ Gründe gibt es viele. Angeführt wird immer wieder die Angst vor Reputationsschäden der Unternehmen. Wer offenbart, dass es ein Sicherheitsproblem in der Firma gibt, macht im Zweifelsfall die Konkurrenz über interne Prozesse schlau und verunsichert die Kunden. Insgesamt führt ein solches Ausweichverhalten zu einem unklaren Lagebild bei den Behörden, denn was nicht gemeldet wird, wird nicht erkannt. Die kursierenden Zahlen zu wirtschaftlichen Schäden oder der Menge der Angriffe sind damit unvollständig – wie man es auch aus anderen Bereichen der Sicherheitsarbeit kennt. Je geringer die Meldequote, desto größer ist das Dunkelfeld. Damit geht einher, dass sowohl der nötige politische Druck nicht aufgebaut werden kann, als auch die Kenntnisse über Fähigkeiten und Technologien der Kriminellen, zum Beispiel im Cyber-Bereich, fehlen.

Dabei ist das, was man schon bei den Behörden weiß, angsteinflößend genug. Dr. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, spricht von „Cyberwaffen“ und „Cyberbomben“ – also gezielt auf Spionage und Zerstörung ausgerichtete Programme, die gegen die deutsche Wirtschaft und kritische Infrastrukturen eingesetzt werden. Akteure sind nach seinen Worten ein Konglomerat von Unternehmen, Organisierter Kriminalität und ganzen Staaten. Doch Werner Sczesny vom Bundesnachrichtendienst verweist wiederum auf das Problem der Attribution“ Derzeit ist es mehr als schwierig beispielsweise Cyberangriffe genau zu seinem Verursacher zurückzuverfolgen. Strafverfolgung ist daher unmöglich.

Aktuell ist die Bilanz der IWS: Die Initiative ist gut und hat erste Ziele erreicht. Die Komplexität und Häufigkeit, mit der die Organisierte Kriminalität agiert, hat jedoch eine höhere Geschwindigkeit. Der gefühlte Sicherheitsabstand zur Organisierte Kriminalität wird zwar gefühlt zu langsam geringer, aber er wird geringer.

Wenn Strafverfolgung keine Chance hat, bleibt die Sicherheitsvorsorge maßgebliches Aktionsfeld der IWS. Hier muss es zu einer Veränderung der Mindsets der Verantwortlichen in der Wirtschaft kommen, meint Zelijko Kaurin, Chief Operating Officer der ING-DiBa AG: „Melden und Transparenz sind das A&O. Wer nicht meldet, unterstützt die Kriminellen.“ Für ihn sind die inzwischen etablierten Produktrückrufe in der Automobilindustrie ein prägendes Beispiel. Hier waren solche Meldungen noch vor wenigen Jahren gleich medienwirksame Skandale. Heute allerdings, habe sich ein Gewöhnungseffekt eingestellt und die Kunden gingen pragmatisch damit um.

Zu diesem Pragmatismus in Sachen Sicherheit möchte auch die IWS kommen. Ein erster Schritt ist gemacht. Prof. Dieter Kempf, Präsident des BDI, bezeichnete die IWS in seiner Laudatio als „Meilenstein“. Viele der Beteiligten wünschen sich, dass dieser Meilenstein nun noch stärker ins Rollen kommt.

2018-09-05T09:23:52+00:004. September 2018|News|