Tödliche Medizin – das verkannte Problem

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Tödliche Medizin – das verkannte Problem

Die Zahl gefälschter und verunreinigter Medikamente steigt stetig. Das Problem wird jedoch nur selten in der Öffentlichkeit diskutiert. Oftmals erlangt es nur Aufmerksamkeit im Zuge aufgedeckter Skandale. Dabei können die Auswirkungen gefälschter Arzneimittel im schlimmsten Falle tödlich sein. Wie die Fälschungen erkannt werden können, zeigt ein Leitfaden des IISW-Partners Bayer.

Letzten Endes geht es um viel Geld. Denn mit gefälschten oder verunreinigten Medikamenten lassen sich hohe Profite erzielen. Im Juli 2018 wurde ein Apotheker aus Bottrop verurteilt, weil er mehr als 14.000 Krebsmedikamente gestreckt hatte – so lange bis die Dosierung völlig wirkungslos war. Schwer erkrankte Krebspatienten benötigen jedoch keine Placebos. Sie brauchen hochwirksame Medikamente. Wer keine effektive Therapie bekommt, kann am Ende sogar sterben. Verkauft wurden die Pseudo-Medikamente des Bottroper Apothekers zum Originalpreis. Der wirtschaftliche Schaden für die Krankenkassen beläuft sich nach Berechnungen auf rund 17 Millionen Euro. Wie viele und welche Patienten durch die wirkungslosen Medikamente tatsächlich zu Tode gekommen sind, konnte im Rahmen der Beweisfindung nicht eindeutig ermittelt werden. Anstatt das Problem gefälschter Medikamente beim Namen zu nennen, titeln Medien Schlagzeilen wie „Bottroper Apotheker zu zwölf Jahren Haft verurteilt“. So erscheint der Fall kurzzeitig in der Panorama-Sparte der Süddeutschen Zeitung. Danach schwindet die Aufmerksamkeit jedoch wieder.

Vor Kurzem erschütterte zudem ein Impfstoff-Skandal China. Betroffen sind vermutlich hunderttausende Kinder. Die unwirksamen Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Tollwut und Keuchhusten wurden im vergangenen Jahr mindestens 200.000 Kindern verabreicht. Wie der SPIEGEL berichtet, arbeiten die staatlichen Zensoren auf Hochtouren, um kritische Kommentare und Meldungen zu dem Vorfall in sozialen Netzwerken zu verhindern.

Wer glaubt, dass gefälschte Medikamente lediglich ein Thema für Krebspatienten seien oder nur in weit entfernten Märkten wie China auftauchten, der liegt falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Medikamentenfälschungen finden in Europa hohen Absatz. Und es sind gerade die weit bekannten Medikamente, die fast jeder Mensch zu sich nimmt: Kopfschmerztabletten, Potenzmittel oder Nahrungsergänzungsmittel. Hier finden die Fälscher ihre riesigen Märkte und treffen auf wenig sensibilisierte Kunden, die oftmals denken: „Mir wird sowas schon nicht passieren!“

Doch wie erkennt man gefälschte Medikamente? Wer bei der Verabreichung eines Medikamentes nicht die beabsichtigte Wirkung spürt oder starke, andere Nebenwirkungen auftreten, konsultiert am besten seinen Arzt. Doch auch am äußeren Erscheinungsbild lassen sich Fälschungen erkennen. Die Bayer AG hat hier einen guten Leitfaden erstellt.

Die EU-Politik verspricht inzwischen Unterstützung im Kampf gegen den illegalen Arzneimittelhandel. Ab Februar 2019 tritt die Falsified Medicines Directive (FMD) in Kraft. Sie soll die Lieferkette der echten, legalen Medikamente so sichern, dass keine illegalen Medikamente mehr in den Warenstrom gelangen können. Die IISW wird Sie über die Einführung der Richtlinie auf dem Laufenden halten. Derzeit sind jedoch eine kaum wirksam regulierte Lieferkette und ein offener Online-Markt ein übergroßes Einfallstor für Kriminelle und ihre gefälschten Produkte. Ein Problem, das jenseits von Skandalen nicht genügend Aufmerksamkeit erfährt.

2018-08-15T16:44:26+00:0015. August 2018|Arzneimittelsicherheit, News|