Brexit führt zu Umwegen in der Logistik

Am 29. März 2019 möchte Großbritannien offiziell aus der Europäischen Union austreten. Bis zuletzt werden die Konditionen verhandelt. Doch die Wirtschaft braucht Sicherheit in der Planung. Was auf die Logistiker in Europa zukommt, zeigt der neue Report des „Resilience360“-Teams der DHL Deutsche Post Group.

Die Zeiten sind schlecht – schon jetzt: Laut der im letzten Jahr durchgeführten Ipsos Mori Umfrage unter den Top 500 Unternehmen in Großbritannien spürt bereits eine Mehrheit die negativen Auswirkungen des bevorstehenden Brexits. Zwei Drittel der Unternehmen gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Situation weiter verschlechtern werde. Und tatsächlich ist das Wirtschaftswachstum im United Kingdom geringer ausgefallen als im Rest der EU. Hauptursache ist die Unsicherheit über die politischen Rahmenbedingungen, die zu zögerlichen Investitionsentscheidungen führt. Es ist kaum möglich, langfristig Geld zu investieren, wenn die Rechtslage noch ungeklärt ist. Klarheit will nun der Report der DHL Group schaffen, zumindest für die Logistik. Unter dem Titel „Understanding Post-Brexit Scenarios and Minimizing Impact to Intracontinental Supply-Chain Operations“ diskutieren Experten, auf welche Bedingungen sich insbesondere international agierende Unternehmen einzustellen haben.

LKW-Fahrer werden zu Seefahrern

Welche Auswirkungen der Brexit in Realität haben wird, verdeutlicht der Warenverkehr zwischen Irland und Polen. Heute ist es üblich, dass irische LKWs Waren von Dublin nach Warschau über Großbritannien transportieren. Zwei Fährverbindungen sind dabei notwendig: von Irland nach GB und von GB zum europäischen Festland. Der EU-Binnenmarkt erleichtert diesen Fährverkehr und die Fahrzeiten sind kurz. Es braucht nur zwei Stunden von Dublin nach Liverpool und von Dover nach Calais ist der Seeweg in weniger als zwei Stunden zurückgelegt. Der LKW rollt fast die gesamte Strecke nach Warschau durch. Wenn Großbritannien aus der EU ausgetreten ist, liegt es wie ein Keil im EU-Binnenmarkt. Der Lastverkehr hat dann vier umfassende Grenzkontrollen zu passieren. Jede Ware verlässt in Dublin den EU-Binnenmarkt, wird in Großbritannien gemäß den neuen, nationalen Einfuhrbestimmungen kontrolliert sowie verzollt und verlässt in Dover wieder das Vereinigte Königreich, um in Calais erneut in den EU-Binnenmarkt eingeführt zu werden. Ein unkalkulierbarer Aufwand für die Logistiker. Sie planen stattdessen mit direkten Fährverbindungen zum Beispiel zwischen Dublin und Zeebrugge – eine 40-Stunden-Reise. Doch wirtschaftlich ist dies nachvollziehbar, schließlich ist die Fahrzeit besser vorherzusagen als die Wartezeiten an den Grenzen. Güter müssen in der Regel zu zugesicherten Terminen geliefert werden – nur eine Fährverbindung, die um Großbritannien herumführt, kann dies garantieren.

Markt verschiebt sich, wird aber nicht sicherer

Die Experten von „Resilience360“ spielen verschiedene Szenarien eines „hard“ und eines „soft“-Brexit durch. Ihre Empfehlung lautet unter anderem: Unternehmen sollten ihre Lieferantenbeziehungen überprüfen. Insbesondere kleine Lieferanten tragen ein höheres Risiko, die zusätzlichen Brexit-Kosten nicht tragen zu können. Dazu zählen beispielsweise höhere Gebühren und Verwaltungsaufwände. Für mehr Sicherheit wird der Brexit jedoch nicht sorgen. Häufige und strenge Zoll- und Einfuhrkontrollen wirken zwar abschreckend auf Schmuggler und Produktpiraten. Sie profitieren jedoch gleichermaßen von potenziellen Ausweichrouten, die keine Zollkontrollen vorsehen. Gut möglich, dass dort solche Berichte aufmerksam gelesen werden. Das Geschäftsprinzip einer reibungslosen Logistik gilt für den legalen wie für den illegalen Handel. Der Brexit führt also zu Marktverschiebungen – sicherer wird die Welt dadurch nicht.

Den Report von DHL können Sie hier herunterladen.

2018-07-30T13:28:44+00:00 30. Juli 2018|News|