Österreich stellt Bericht zur Produktpiraterie vor

//Österreich stellt Bericht zur Produktpiraterie vor

Österreich stellt Bericht zur Produktpiraterie vor

Laut neuem Jahresbericht belaufen sich die Verluste durch Produktpiraterie in insgesamt 13 untersuchten Wirtschaftszweigen auf knapp sieben Prozent der jährlich in Österreich erwirtschafteten Umsätze. Ein EU-weites Problem betrachtet Österreich mit kritischem Blick.

Letztes Jahr hat der österreichische Zoll 245.712 gefälschte Produkte im Gesamtwert von mehr als 13,7 Millionen Euro beschlagnahmt. Obwohl die Zahl der Aufgriffe von 1.947 im Jahr 2016 auf 1.665 Fälle zurückgegangen ist, hat sich die Anzahl der dabei aufgegriffenen Artikel um 236,8 % erhöht (2016: 67.535 Artikel). Zu den Bereichen mit den größten Wirtschaftseinbußen durch Produktpiraterie zählen Bekleidung mit 587 Mio. Euro, Arzneimittel mit 134 Mio. Euro, Kosmetika mit 94 Mio. Euro, Smartphones mit 74 Mio. Euro und Spielwaren mit 53 Mio. Euro.

Der Staatssekretär im österreichischen Finanzministerium, MMag. DDr. Hubert Fuchs erklärt: „Das entspricht insgesamt einem Wert von rund einer Milliarde Euro jährlich – oder 121 Euro pro Einwohner. Was dem Einzelnen als vermeintlich attraktives Schnäppchen erscheint, zahlt sich letztlich für niemanden aus. Für denjenigen nicht, der auf Plagiate minderer Qualität zurückgreift, und schon gar nicht für unsere Wirtschaft und damit unsere Arbeitsplätze!“ Nach Schätzungen des EUIPO gehen durch Marken- und Produktpiraterie jährlich allein in Österreich 7.816 Arbeitsplätze verloren. Das österreichische BMF verweist darauf, dass sich dadurch die Arbeitslosenquote um 2,2 Prozent weiter senken ließe.

Doch die Experten fügen ergänzend hinzu, dass mit gefälschten Produkten nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden verbunden ist, sondern auch Gefahren für die Gesundheit und Sicherheit entstehen können. Denn schon lange reicht die Bandbreite an Fälschungen von Luxusgütern über Maschinen, chemischen Stoffen bis hin zu Artikeln des täglichen Bedarfs wie Spielzeug, Arzneimittel, Kosmetika und Lebensmittel. Alles Dinge, die der Konsument bedenkenlos mit seiner Haut berührt oder herunterschluckt. Besonders die gefälschten Medikamente sind daher im Fokus der österreichischen Ermittler.

Hier erreicht das Land stetig neue, traurige Rekorde. Lag die Zahl der Aufgriffe vor zehn Jahren noch bei knapp 1.000 Sendungen und rund 42.000 aufgegriffenen gefälschten Medikamenten, sind die aktuellen Zahlen zwar in Bezug auf die Fallzahl annähernd gleich – jedoch liegt die Anzahl der gefälschten Medikamente mit 54.895 auf einem Allzeit-Rekordhoch.

Wird nun in Österreich besonders viel an gefälschten Medikamenten konsumiert? Dafür gibt es keine Anzeichen, wohl aber, dass die österreichischen Kollegen bei Kontrollen eben besonders genau hinschauen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass knapp die Hälfte aller in der EU aufgegriffenen Medikamente in Österreich gefunden worden sind. Mit 900 beschlagnahmten Sendungen trägt Österreich zu 45,73 Prozent der Gesamtstatistik aller 28 EU-Mitgliedsländer bei. Hier wird deutlich, dass es sich bei dem Phänomen um die sogenannte „Kontrollkriminalität“ handelt. Sie wird erst dann sichtbar, wenn die Behörden auch tatsächlich hinschauen. Wo keine Kontrolle, da auch meistens keine (hohen) Zahlen.

Das weiß wissen auch die Organisierte Kriminalität, die Hehler und die Schmuggler. Ob die österreichischen Fahndungserfolge auch in Zukunft möglich sein werden, bleibt daher abzuwarten. Im Bericht des Finanzministeriums heißt es: „Die Zahlen sind allerdings insofern zu relativieren, als die Fälscher immer wieder auf die Kontrolltätigkeiten des Zolls reagieren und die Vertriebswege ändern, wenn ihnen die Zollkontrollen zu „geschäftsschädigend“ werden. Fängt der Zoll zu viele Fälschungen ab, versucht man diesen Kontrollen dadurch auszuweichen, dass die gefälschten Medikamente in großen Mengen in die EU geschmuggelt und über eigens aufgebaute Vertriebsnetze in Europa verteilt werden. Da die Sendungen dann innerhalb der EU per Post versandt werden, unterliegen sie nicht mehr den Zollkontrollen.

Österreich betrachtet also die Postpakete aus Italien, Ungarn, Deutschland und anderen EU-Ländern eher kritisch. Denn es besteht ein großes Manko innerhalb der EU, das hier zur Sprache kommt. Weil Österreich bis auf die Grenze zur Schweiz und den Wiener Flughafen über keine weiteren eigenen EU-Außengrenze verfügt, sind aufgrund des Schengen-Abkommens keine weiteren EU-internen Zollkontrollen mehr möglich. Die Zöllner und die Menschen in Österreich sind also darauf angewiesen, dass die Partnerländer mit eben solchen Außengrenzen ihrer Kontrollaufgabe gerecht werden. Ein Thema, über das zu sprechen sein wird, nicht zuletzt auf dem informellen Treffen der Gruppe „Zollunion“ am 20. September in Wien.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.

 

2018-07-23T10:21:09+00:0023. Juli 2018|News|