Betrug bei Gewürzen: eine ungute Mischung

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Betrug bei Gewürzen: eine ungute Mischung

„Es ist kein Kaufmann, der nicht Mäusedreck für Pfeffer verkaufen kann“, so lautet ein altes Sprichwort. Was früher als die hohe Kunst des tüchtigen Kaufmanns galt, stößt Vertretern der Zunft in Europa heute sauer auf. Sie sind nicht Betrüger, sondern Betrogene. Die Fälschungsrate bei Gewürzen ist sehr hoch, wie neue Zahlen aus Frankreich belegen.

Die französische Küche ist weltberühmt. Gewürze und Gewürzmischungen sind dabei mehr als nur eine notwendige Zutat – es sind die Notenlinien, auf denen die Komposition für ein perfektes Essen entsteht. Umso erschreckender sind die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung der „Direction générale de la concurrence, de la consommation et de la répression des fraudes“, des Betrugsbekämpfungsdezernats des französischen Wirtschaftsministeriums: Mehr als die Hälfte der untersuchten Gewürze waren gefälscht. Es wurde Safran gefunden, der kein Safran enthielt, indisches Zimtpulver, das aber in niedriger Qualität aus China stammt oder Kurkuma, das mit dem Original nur den Namen gemein hatte. Gestreckt wurde mit Sand, einfachem Haushaltssalz oder Oliventrester, den Reststoffen, die bei der Olivenölproduktion anfallen. 19 Prozent der entdeckten Fälle sind Streckungen, um das Volumen oder Gewicht zu erhöhen, 81 Prozent sind echte Fälschungen.

Das Problem: Die Täter handeln in einem nahezu unkontrollierten Bereich. Denn die Kontrollen der Lebensmittelsicherheit haben einen hygienischen oder sensorischen Fokus. Gegenstand der Kontrollen ist beispielsweise, ob die Lagertemperatur richtig eingestellt oder die Kühlkette eingehalten wurde. Fälschungen der Inhaltsstoffe fallen hingegen bei einem Großteil der Untersuchungen nicht auf. Auch das Europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel – RASFF oder Rapid Alert System for Food and Feed – greift erst ein, wenn eine unmittelbare Gesundheitsgefahr droht. Ein Vertreter der zuständigen deutschen Behörde veranschaulicht das Problem der Zuständigkeiten an einem Beispiel aus der Vergangenheit: „Der Skandal um Pferdelasagne war zwar ein Betrug, aber dieser gefährdete nicht die Gesundheit des Verbrauchers.“ Insofern wird genau zwischen Lebensmittelbetrug (z. B. Pferdelasagne) und Lebensmittelsicherheit (z. B. Dioxin im Fisch) unterschieden. Alles, was nicht in die Zuständigkeit fällt der jeweiligen Behörde fällt, bleibt ausgeblendet. Die Organisierte Kriminalität nutzt diese Lücken weidlich aus. Die französische Untersuchung zeigt: Es findet sich immer etwas, man müsste nur genauer hinschauen.

Betrifft das Phänomen nur Frankreich? Nein, aber in anderen Staaten wird noch weniger hingeschaut. Ähnliche Zahlen existieren z. B. für Deutschland nicht. Insbesondere der Markt für Gewürze ist sehr international. Gewürze wachsen meist in exotischen Ländern und werden weltweit transportiert. Dabei ist es leicht, die Ware irgendwo auf der Welt zu kaufen und zu strecken.

Wer möchte nicht im Küchenschrank die exotischen Gewürze aus fremden Ländern haben? Doch die niedrigen Preise seltener Gewürze wie Safran oder Trüffel im heimischen Discounter sollten stutzig machen. Laut französischer Zahlen ist der Gewürzmarkt in den letzten zehn Jahren um 35 Prozent gewachsen. Der Wertzuwachs liegt sogar bei 45 Prozent. Ein großer Anteil davon wandert offensichtlich in die Taschen von Kriminellen. Dem Verbraucher bleibt nur ein fader Beigeschmack, trotz der teuren Gewürzmischung.

2018-07-04T11:36:37+00:004. Juli 2018|Lebensmittelsicherheit, News|