Was bewegt die Logistikbranche in Österreich?

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Was bewegt die Logistikbranche in Österreich?

Nach dem Österreichischen Logistiktag in Linz konnten wir uns mit Mag. Oliver Mayr, Netzwerkmanager beim VNL (Verein Netzwerk Logistik) und einer der Organisatoren des Österreichischen Logistiktags, zu den Themen der Logistikbranche in Österreich unterhalten. 

IISW: Der Österreichische Logistiktag wird jährlich vom VNL durchgeführt und ist die zentrale Veranstaltung für diese Branche. Herr Mayr, sind Sie mit der Resonanz zufrieden?

Mayr: Eindeutig ja. Wir sind weiterhin in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend. Vor zehn Jahren sind wir mit 560 Teilnehmern gestartet, heuer sind wir bei 900 Kongressteilnehmern. Diese sukzessive Steigerung ist auf den Umstand zurückzuführen, dass wir die Anwenderbranchen und die Logistikdienstleistungswirtschaft gemeinsam ansprechen. Vor fünf Jahren haben wir dann noch das Konzept des FutureLab etabliert. Dort besprechen wir am Vortag des Kongresses die Zukunft der Logistik. Hier sind nicht ganz so viele Besucher wie am Haupttag, aber immerhin noch rund 400.

IISW: Wie schaut denn die Zukunft in der Logistik aus?

Mayr: Hier gibt es kein einheitliches Bild. Thema unseres diesjährigen FutureLab war der Einsatz Künstlicher Intelligenz zur SupplyChain-Optimierung. Wir beschäftigen uns hier dann nicht mit den weit entfernt liegenden Themen sondern sind anwenderbezogen und schauen auf die Entwicklungen, die die Supply Chains innerhalb der nächsten fünf Jahre betreffen.

IISW: Wie weit ist Branche bei der Digitalisierung?

Mayr: Logistiker sind notwendigerweise Fast-Follower, die auf den Bedarf und die Ansprüche der Kunden reagieren. Sie sind keine First Mover, doch einige in der Branche sind sichtlich bestrebt mehr und mehr in die Gestalterrolle zu kommen.

IISW: Warum gibt die Logistikwirtschaft nicht den Ton an?

Mayr: Hier gibt es zwei limitierende Faktoren. Zunächst verhindern geringe Gewinnmargen die Bereitschaft zu teuren Investitionen. Und unser größter Kunde, der Handel, ist in Österreich selber nicht First-Mover in Sachen E-Commerce und Digitalisierung. Das liegt auch an der Händlerstruktur. Im Prinzip teilen sich drei Player 80 Prozent des Marktes. Da richtet man sich am jeweils anderen aus.

IISW: Was sind in diesem Jahr die Hauptthemen der Branche?

Mayr: Es gibt nicht DAS Thema, aber viele Optimierungsthemen. Derzeit sind die Auftragsbücher voll. Es geht also heute viel um Effizienzsteigerung und Optimierung. Die Bereitschaft und Notwendigkeit aber, sich als Logistiker mit großen disruptiven Neuerungen vom Wettbewerb abzugrenzen, gibt es daher derzeit nicht – Ausnahmen bestätigen aber die Regel: So hat Saubermacher mit der wastebox eine Plattformlösung entwickelt, die die Entsorgungslogistik revolutionieren wird. Innovation findet nicht immer im Silicon Valley, sondern auch in Österreich statt.

IISW: Kommen wir zur Sicherheit. Ein Thema, das in der gesamten Wirtschaft diskutiert wird, ist die Digitalisierung mit ihren Vor- und Nachteilen. Inwieweit spielen Cyber-Risiken bei Logistikern eine Rolle?

Mayr: Cyber-Risiken sind sicher allgemein ein großes Thema. Wir haben das bei unserem Kongress aber noch nicht explizit thematisiert. Dafür gibt es einfach viel dringlichere Aspekte, über die man sich aktuell auseinandersetzen muss. Cyber-Risiken waren dann auch kein Thema in den Expertenrunden.

IISW: Und wie sieht es bei der Sicherheit im Onlinehandel aus? Hier entstehen ja nicht nur viel reguläre Shops sondern auch eine Unmenge an Fake-Shops, die etablierte Logistiker für den Versand ihrer gefälschten Produkte beauftragen. Große und etablierte Logistiker werden ja an den Grenzen eher durchgewunken.

Mayr: Auch das ist kein Thema für die Branche. In Österreich wird das Konzept des Trusted Partner (beschleunigte Abwicklung für zertifizierte Logistiker; d. Red.) nicht umgesetzt.

IISW: Ihre Organisation heißt Verein Netzwerk Logistik – mit welchen Branchen können und wollen Sie sich vernetzen?

Mayr: Wir stellen die Vernetzung mit allen sicher, die logistischen Bedarf haben. Wir vernetzen Logistiker mit produzierendem Unternehmen und Zulieferern. Aber auch mit Bildung und Forschung wollen wir uns in Zukunft verstärkt zusammensetzen.

2018-06-18T14:46:35+00:0018. Juni 2018|Logistik, News|