Verknüpfung von Online-Shopping und Logistik

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Verknüpfung von Online-Shopping und Logistik

Die Branche ist in Bewegung. Jeder Händler muss sich digitalisieren, wenn er in Zukunft weiter bestehen will. Selbst der Do-It-Yourself-Marktführer IKEA will in Zukunft 50 Prozent seines Umsatzes digital erzielen. Für Logistiker steigen dabei die Anforderungen. Die Branche diskutierte über diese auf dem Österreichischen Logistiktag in Linz.

Der Handel ist einem starken Wandel ausgesetzt – das Wort „Disruption“ macht mehrfach die Runde. Solche Entwicklungen gibt es im Handel zuhauf. Das Beispiel Netflix zeigt, wie sich Unternehmen und Produkte verändern. Die Firma begann als Händler von CDs. Undenkbar, wenn der heutige Marktführer bei Streamingdiensten bei diesem Geschäftsmodell geblieben wäre. Und die Entwicklung geht auch in anderen Branchen weiter. Schon längst arbeitet adidas am 3D-gedruckten Schuh. Bei der Firma ECCO werden schon jetzt maßgeschneiderte Schuhe innerhalb weniger Stunden für den Kunden direkt im Laden gedruckt. Ist das die schöne neue Welt? Viele Kunden würden „ja“ sagen. Für viele Logistiker ist diese Welt hingegen mit hohem Druck verbunden, mit dem die Branche umzugehen hat. Dieser Anpassungsdruck kommt von mehreren Seiten: Ein Management, das die Chancen der Digitalisierung für das eigene Unternehmen nutzen will, muss hohe Sicherheitsbestimmungen durch die EU oder den nationalen Gesetzgeber im Bereich Tracking & Tracing befolgen. Zusätzlich müssen auch die neuen Transparenz- und Sicherheitsbestimmungen zu persönlichen Daten der DSGVO eingehalten werden. Die Logistik nimmt hier eine Schlüsselposition ein. Denn sie wandelt sich vom Unterstützer zum „Ermöglicher“. Unternehmen müssen entscheiden, ob die eigene Logistik zum Bottleneck oder zum Business-Enabler wird. Diese Frage wird maßgeblich über den Geschäftserfolg in der Zukunft bestimmen.

Klaus Schaffer von Editel Austria, dem führende EDI-Anbieter (Electronic Data Interchange) mit insgesamt rund 15.000 angebundenen Unternehmen ist sicher: „Man braucht das Rad in der Logistik nicht neu erfinden, man muss es nur exakt umsetzen.“ Das ist im Onlinehandel besonders wichtig. „Druck“ auf die Schnelligkeit durch immer größere Sortimente, kürzere Beschaffungszyklen, Flexibilität im Produkt-Lebenszyklus und dem Anspruch, die Lagerbestände möglichst gering zu halten. Der Onlinehandel muss dabei strukturierter arbeiten als der stationäre Handel. EDI ist hier gar kein Thema mehr, sondern längst Standard. Geht ein Händler den Weg der Digitalisierung, muss er die exakte Logistik bei sich abbilden können.

Silvia Völker, Supply-Chain-Managerin bei der MARESI Austria GmbH verweist auf die unterschiedlichen Lieferstrukturen von bisheriger Logistik und Onlinehandel. Sie unterscheiden sich in drei wichtigen Punkten: Stammdaten, Prozesse und Standards. „Stammdaten sind das Öl der heutigen Zeit.“, greift auch Völker einen beliebten Branchenspruch auf. 86 Prozent der Manager in der Logistik wünschten sich immer noch bessere Stammdaten. „Die Bedeutung von Stammdaten und Inhaltsstoffen können nicht unterschätzt werden“, so Völker weiter.

Dabei müssen Stammdaten bestimmten Standards unterliegen. Hier sind die GS1-Standards GLN & GTIN (früher EAN-Code) weiterhin die einzige Identifikation. Die Systematik stammt jedoch aus dem Jahr 1976. Sie ist für körperliche Produkte geeignet, die mit einem Papier-Label versehen und händisch bearbeitet werden können. Doch bei schnellen Produkt-Lebenszyklen werden die Daten immer wieder verändert. Schnell wird der Artikelpass nicht aktualisiert. Seit 2014 wird daher im Lebensmittelbereich GS1-Sync eingesetzt. Die Firma erklärt dazu: „Die österreichische GS1 Sync-Lösung ist Teil eines weltweiten Netzwerks von Stammdaten-Pools, die den GS1 Standards für Stammdaten unterliegen. Sie werden unter dem Begriff „Global Data Synchronisation Network“ (GDSN) zusammengefasst. An das Netzwerk sind weltweit fast 25.000 Unternehmen angeschlossen, die diese Infrastruktur zum Austausch ihrer Daten nutzen.“ Diese flexible Standardisierung ist für viele die Basis für den Onlinehandel.

Denn im Onlinehandel nehmen immer weniger Kunden, Händler und Logistiker die Produkte „in die Hände“. Maschinelle Verarbeitung und Transport sind hier erforderlich. Die Daten selbst müssen „transportiert“ werden. Hier kommt der Electronic Data Interchange (EDI) zum Einsatz. Doch einige Unternehmen tun sich schwer mit der Umsetzung, wie auf dem Kongress zu hören war. Dabei ist die Richtung klar: Es braucht zwischen den verschiedenen Warenwirtschaftssystemen einen voll integrierten Prozess ohne Medienbruch. Wer hier zögert, erhöht die Kosten in der Zukunft, wenn der Anpassungsdruck zu groß geworden ist.

Doch EDI ist kein Allheilmittel, wenn die Prozesse im Unternehmen nicht ganzheitlich abgebildet werden können. Dazu müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Weg der Digitalisierung mitgenommen werden. Ihre Kenntnisse müssen ausgebaut werden und sie müssen flexibel und offen für Veränderungen sein. Auch das Retouren- und Reklamationsmanagement, die gesamte Organisation des Warenverkehrs, muss digital sein. Onlinehandel bringt nicht nur Onlinebestellungen, sondern auch geändertes Kaufverhalten mit sich. Beispielsweise werden immer mehr Kleinstmengen verschickt und die Retourenquote ist viel höher als im stationären Handel.

Die Logistik muss daher auch bei der Abwicklung von Kleinstmengen agiler sein. Ein sauberes Datenmanagement ist dafür zwingend notwendig. Die Logistik muss auch innovationsfähig sein und innerhalb sowie außerhalb der Branche kooperieren. Silvia Völker ist daher überzeugt: „Erfolgreiche Unternehmen gehen mit Vertrieblern und Logistikern gemeinsam zum Kunden, sie vernetzen sich auch intern. Der Zug ist noch nicht abgefahren, aber er fährt. Es wird Zeit, dass alle in der Logistik auf den Zug der Digitalisierung aufspringen.“

2018-06-14T13:27:27+00:0014. Juni 2018|Lieferkettensicherheit, Logistik, News|