„Viele Produkte sind gefälscht“

Laut Branchenkennern sind immer mehr Lebensmittel mit Fälschungen kontaminiert. Die Dunkelziffer ist hoch. Ebenso betroffen sind Eigenmarken der Einzelhändler. Die Branche arbeitet an Lösungen, die Händlern und Herstellern helfen, besser zusammen zu arbeiten.

Deutsche Verbraucher sind sparsam. Nirgendwo in Europa ist der Preis einer Ware entscheidender als hier. Gleichzeitig ist Deutschland aber auch der Markt mit den risikobewusstesten Kunden: Für 65 Prozent der Deutschen ist die Sicherheit das wesentliche Kaufargument, gegenüber 47 Prozent im globalen Durchschnitt. Deutsche Kunden wünschen sich auch am meisten eine Kennzeichnung mit dem Namen des Produzenten: 58 Prozent im Vergleich zu 40 Prozent weltweit.

Eigenmarken bedürfen besonderer Aufmerksamkeit

In den letzten Jahrzehnten haben die sogenannten Eigenmarken oder Handelsmarken an Beliebtheit gewonnen. Sie vereinen ein qualitatives Produkt mit einem günstigen Preis. Laut jüngsten Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung liegt der Anteil dieser Waren bei 37,4 Prozent am gesamten Warenkorb in Deutschland. Ein Rekord, mit dem die Branche gerne wirbt. Doch wie sicher und echt sind diese Produkte wirklich, auf deren Verpackung nur ein sparsames „JA!“, „TIP“ oder „SELECT“ prangt? Ein entscheidender Punkt: Handelsmarken verbergen oft absichtlich den Ursprung der einzelnen Produzenten. Das Kalkül: Große Händler wie Edeka, Rewe & Co kaufen die Ware direkt beim Produzenten günstig ein. Das ist jedoch mit einem doppelten Risiko verbunden, über das die Händler ungern sprechen. Erstens fehlt ihnen das Know-how über die Produktionsbedingungen, denn dieses liegt naturgemäß beim Produzenten. Der Händler muss sich deshalb auf seine Hersteller verlassen können. Aufgrund des hohen Preisdrucks, sind diese aber gezwungen, möglichst billig zu produzieren. Ein Spagat, den einige versuchen, mit unlauteren Mitteln zu schaffen. Zweitens schlägt ein möglicher Reputationsschaden bei einem Produkt direkt auf das gesamte Sortiment durch. Fällt beispielsweise die Eigenmarken-Schokolade einer Handelskette in Tests durch, überlegt sich der Kunde beim nächsten Einkauf sehr genau, wie gut und sicher Milch und Wurst derselben Marke von diesem Discounter sind.

Händler suchen daher händeringend nach Möglichkeiten, die Herstellung so sicher wie möglich zu gestalten. Eine Möglichkeit ist, eine Kontrollinstanz in die Lieferkette zwischenzuschalten, wie sie von dem Unternehmen Trace One angeboten wird. Das Unternehmen zeigt sich selbstbewusst: „Wir betreiben das weltweit größte Netzwerk für die Entwicklung von Eigenmarken – mit mehr als 20.000 Unternehmen in 100 Ländern, die jährlich mehr als 300 Milliarden US-Dollar an Warenumsatz erzeugen. Unsere weltweit bewährte Plattform ermöglicht unseren Kunden, eigene Handelsprodukte zu entwickeln und zu verwalten, Vorgaben von Industrie und Gesetzgeber einzuhalten sowie das Kundenvertrauen zu stärken“, so Thomas Spieker, Manager von Trace One für Zentraleuropa.

Doch auch Spieker muss zugeben: Die Beschaffung bleibt weiter eine große Herausforderung der Händler. Letztendlich lässt sich die Verantwortung nicht delegieren. Was nutzt das beste Online-Tool, wenn minderwertige Produkte es doch bis in die Ladentheke schaffen. Spieker empfiehlt daher dringend: „Ein physisches Audit beim Produzenten durch den Händler ist und bleibt unersetzlich. Trace One ist sicher sehr hilfreich, kann jedoch auch keine absolute Sicherheit garantieren.“

Risiko: Schwankende Rohstoffpreise und Diktat vom festen Endpreis

Ein großes Risiko sind Änderungen bei der Rezeptur und Preisschwankungen von Vorprodukten. Während Kunden selbstverständlich erwarten, dass die Pizza aus dem Kühlregal immer gleich schmeckt und ebenso günstig bleibt, muss sich dafür bei Zusammensetzung und Herstellung sehr viel ändern. Jede Charge eines Rohstoffes weist andere Eigenschaften und Geschmack auf – Natur eben. Zudem: wenn Mehl, Käse und Öl im Einkauf Preisschwankungen von bis zu 500 Prozent ausgesetzt sind, müssen diese Veränderungen durch angepasste Rezepturen oder den Wechsel der Produzenten aufgefangen werden. Hier ist die proaktive Analytik durch das Qualitätsmanagement der Handelsriesen gefragt. Trace One bietet auch hier Analysetools, mit denen zum Beispiel Rohstoffpreise beobachtet und bei betroffenen Produkten automatisch Warnungen versendet werden. Auf dieser Basis sollte anschließend eine physische Kontrolle stattfinden, indem ein Vertreter des Händlers bestenfalls das Unternehmen besucht und die Einhaltung von Qualitätsstandards überprüft.

Mentalitätswandel bei den Händlern

Ein höheres Sicherheitsniveau wird immer wichtiger im Lebensmitteleinzelhandel. Jedoch hat immer noch für die Mehrheit der Unternehmen (57 Prozent) die Kostenkontrolle höchste Priorität. Wesentliche Treiber des neuen Trends sind allein die zunehmenden illegalen Machenschaften im Markt. Die Branche sieht zunehmend die Gefahr, durch gefälschte Produkte in der Lieferkette getäuscht zu werden – mit weiter steigender Tendenz. Thomas Spieker verweist auf die immer häufigeren Rückrufaktionen: „Vor Jahren hätte man sich nicht vorstellen können, dass Medien wie stern.de oder spiegel.de eigene Rubriken für derartige Rückrufaktionen haben. Heute ist dies der Fall. Da hat sich was geändert – und es liegt nicht nur an der Sensibilität des Kunden allein.“

Nicht zuletzt deswegen steht bei Trace One ein neues Netzwerk kurz vor dem Start (18. Juni) – das sogenannte „Trace One Network“. Spieker: „Aus meiner Sicht tragen Händler und Hersteller den wachsenden Risiken Rechnung und versuchen, ihre Beschaffungsketten sicherer zu machen. Aus diesem Grund startet Trace One sein neues Netzwerk um Handel und Hersteller zusammen zu führen.“ Mit dem Launch wird eine Kollaborationsplattform für den Einzelhandel geschaffen, die 20.000 Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von 300 Milliarden US-Dollar in rund 100 Ländern vernetzt. Dies ist sicherlich ein Fortschritt. Noch besser wäre allerdings, wenn der Trend beim Schmuggel und bei der Produktpiraterie ab- und nicht weiter zunehmen würde.

2018-04-25T18:25:17+00:00 23. April 2018|Lebensmittelsicherheit, News|