„Es ist ein Kampf zwischen offener, moderner Wirtschaft und Kriminellen“

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„Es ist ein Kampf zwischen offener, moderner Wirtschaft und Kriminellen“

Anfang März veröffentlichte die OECD Task Force on Countering Illicit Trade ihren jährlichen Bericht (die IISW berichtete). Die Initiative sprach mit Piotr Stryszowski, einem der Autoren der Studie über das Problem von Schmuggel und Produktpiraterie.

IISW: Der direkte Versand vom Hersteller zum Kunden ist einer der Hauptkritikpunkte Ihres Reports. Wir können die Zeit jedoch nicht zurückdrehen. Was sollten Zoll und Industrie tun, angesichts des weiter anhalten Logistikbooms?

Stryszowski: Zunächst einmal ist der direkte Versand vom Produzenten zum Kunden eine tolle Sache. Sie ist effizient, kostengünstig und bietet den Kunden einen beispiellosen Zugang zu einer Vielzahl von Waren. Wir alle lieben es, und wir wollen es behalten, aber wir wollen auch, dass es dabei sauber zugeht – ohne all’ die Angebote illegaler und minderwertiger Waren. Ich glaube nicht, dass Behörden, Händler oder Produzenten das Problem jeweils allein in den Griff kriegen. Diese Herausforderung erfordert eine länderübergreifende und organisationsübergreifende Zusammenarbeit, mindestens zwischen Vollzugsbehörden, Schifffahrts- und anderen Logistikunternehmen, Online-Plattformen und Rechteinhabern, deren Rechte verletzt werden. Vertrauensbasierte und ergebnisorientierte Vereinbarungen, die einen effektiven Informationsaustausch und eine gezielte Risikoprofilierung ermöglichen, sind in der Zukunft unerlässlich.

IISW: China ist die Hauptquelle illegaler Waren. Die dortige Regierung hat Maßnahmen gegen Schmuggel und Produktpiraterie ergriffen. Aber sind es nicht dennoch die chinesischen Hersteller und ihre Mentalität, die Fälschungen als triviales Vergehen betrachtet?

Stryszowski: Ich bin nicht in der Lage, über die Einstellung chinesischer Unternehmen zu sprechen. Tatsächlich zeigen unsere Daten, dass die innovativen Unternehmen in China genauso die Leidtragenden sind. In den chinesischen High-Tech- oder Pharma-Branchen wird auch untereinander gefälscht. Unsere Daten zeigen, dass China auch zu den wichtigsten Zielländern von Schmugglern und Produktpiraten gehört. Abschließend lässt sich wohl feststellen, dass es sich immer um ein globales und nicht um ein rein nationales, chinesisches Problem handelt. Es geht im Prinzip um einen Kampf der wissensbasierten, modernen Wirtschaft gegen kriminelle Trittbrettfahrer, die keine Grenzen kennen und ausschließlich gewinnorientiert agieren.

IISW: Die OECD regt ein MoU (Memorandum of Understanding) zwischen Zollbehörden und Händlern an. Was sollte Teil einer solchen Vereinbarung sein?

Stryszowski: Nur zur Klarstellung: Wir schlagen kein allgemeines MoU vor. Ein MoU muss immer eine ganz spezifische Form der Vereinbarung sein, die eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen – in diesem speziellen Fall – Zollbehörden und Online-Händlern vorsieht. Wir stellen jedoch fest, dass eine solche Zusammenarbeit in der Zukunft für einen effektiven Informationsaustausch, ein gezieltes Risikoprofil und damit eine effiziente Bekämpfung des illegalen Handels unerlässlich ist.

2018-04-12T09:32:19+00:0012. April 2018|News, Unkategorisiert|