Der zwölfte „Brand Protection & Anti-Counterfeiting Summit“ am 14. und 15. November 2017 in London zeigte: Der Handel mit gefälschten Waren nimmt zu. Aber es gibt auch Lösungen. Die Initiative für Innovationskraft und Sicherheit in der Wirtschaft (IISW) hat sie vorgestellt.

Wer die teuren Plastikflaschen diverser internationaler Wassermarken in den Regalen deutscher Supermärkte kauft, ist gesundheitsbewusst. Die ideale Mineralstoffkombination des Wassers aus den Vogesen oder anderen gesundheitsfördernden Gegenden ist den Kunden etwas wert. Und natürlich ist auch ein wenig hipper Lebensstil dabei, wenn das französische Mineralwasser neben dem Laptop in einem der angesagten Kaffeehäuser steht. Wohl kaum jemand kommt dabei auf die Idee, dass das Wasser sogar noch viel internationaler ist, als vermutet. Denn statt reinem Quellwasser kann es sich mitunter um billiges und nicht gerade reines Leitungswasser aus China handeln.

Auch alltägliche Produkte sind im Visier der Organisierten Kriminalität

Das Beispiel ist aus zwei Gründen erschreckend. Erstens belegt es die Tatsache, dass gefälscht wird, was gefälscht werden kann. Und Wasser macht es den Betrügern besonders leicht. Wohl niemand wird das gekaufte Mineralwasser erst zur Analyse ins Labor schicken. Zweitens zeigt der Fall, dass nicht nur Luxusgüter, sondern auch Alltagsprodukte im Visier der Organisierten Kriminalität sind. Die Marge scheint gering, schließlich müssen die Wasserflaschen um die halbe Welt geschickt und in den legalen Wirtschaftskreislauf geschmuggelt werden, um Abnehmer zu finden. Und doch lohnt sich das Geschäft. Ein betrügerischer Massenmarkt. Schnell summieren sich die wenigen Cent Marge pro Flasche zu lohnenswerten Summen.

Die Markenhersteller spüren diesen „Boom“ hautnah. Auf dem „Brand Protection & Anti-Counterfeiting Summit“ sprachen Juristen und Brand Protection Manager großer Markenhersteller

über Möglichkeiten, um Schmuggel und Produktpiraterie einzudämmen. Alle haben das gleiche Problem: Von Vitaminen und Lebensmittelzusatzstoffen über Autoteile bis hin zu Schuhen, Kleidung und Koffern – es wird gefälscht, was das Zeug hält.

Online-Plattformen: ein Marktplatz für Plagiate

Dabei sind den Experten die gerade aus dem Boden schießenden sozialen Plattformen in Asien ein Dorn im Auge. Denn auch hier werden oftmals Produktfälschungen verkauft. Die Markenhersteller kommen nicht mehr hinterher: Kaum hat man eine gefälschte Internetseite entdeckt und die Behörden darüber informiert, wird die Seite von der Organisierten Kriminalität selbst aus dem Netz genommen. Doch an anderer Stelle und unter anderer Adresse entstehen dann gleich zwei neue Seiten, auf denen das Geschäft einfach weiterläuft.

Erschwerend hinzu kommt das mangelnde Unrechtsbewusstsein. Viele Schmuggler und Produktpiraten sind sich keiner Schuld bewusst, werden doch ihre Waren offen auf den Straßen gehandelt. Die Behörden schreiten nicht immer ein. Das gilt nicht nur für Asien, sondern auch europäische Metropolen, wie Paris. Eine Kongressteilnehmerin berichtet, dass die Stadt Paris kein Interesse habe, gegen diese Art der Organisierten Kriminalität vorzugehen, da die Stadt in Form von Standgebühren und Steuereinnahmen schließlich daran mitverdiene. Auch die Kunden sind beteiligt. Sie akzeptieren für günstige Preise die dubiosen Quellen oder kaufen in voller Absicht gefälschte Waren. Über die strafrechtlichen und vor allem gesundheitlichen Konsequenzen macht sich kaum jemand Gedanken.

Dass das ganze Phänomen kein Kavaliersdelikt ist, zeigte eine Journalistin auf, die sich umfassend mit den Hintergründen der Fälschungsmafia beschäftigt hat. Die Kooperation mit Terrororganisationen ist ihrer Darstellung nach offensichtlich. Eine Erkenntnis, die inzwischen auch bei den Behörden angekommen ist, wie Matt Cope, Deputy, Director of IP Enforcement beim „Intellectual Property Office“ in Großbritannien, auf dem Kongress bestätigt.

Durch Kooperation und Innovation den Fälschern einen Schritt voraus sein

Thomas Franke, Leiter der IISW, mahnt daher zur Zusammenarbeit: „Behörden und Unternehmen müssen im Dialog voneinander lernen. Schließlich schadet diese Art der Schattenwirtschaft allen – den Staaten, den Unternehmen und nicht zuletzt auch den Verbrauchern selbst. Diese gehen durch verdeckte und offensichtliche Fälschungen in allen Bereichen des Konsums ein hohes gesundheitliches Risiko ein.“

Doch es genügt nicht, die gegenwärtige Lage einfach nur zu bedauern. Durch innovative Lösungen muss es wieder gelingen, der Organisierten Kriminalität einen Schritt voraus zu sein. Dazu gehört aber auch das richtige Maß an Öffentlichkeitsarbeit. „Politik reagiert nun mal nur dann, wenn öffentlicher Druck besteht“, wie einer der Teilnehmer das Problem schildert. „Die Mittel von Strafbehörden sind begrenzt. Sie werden dort eingesetzt, wo die Gefahren in der Bevölkerung präsent sind.“ Das weiß aber auch die Organisierte Kriminalität und ist dann eben genau in Bereichen tätig, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit liegen.“ So geschieht es, dass gefälschtes Mineralwasser ein lohnenderes Geschäft ist, als der Drogenhandel. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung sind ebenfalls größer. Wasser braucht jeder. Nur sauber muss es sein.