Ende April 2017 ist die neue EU-Kontrollverordnung in Kraft getreten, mit der Lebensmittel in Europa noch sicherer werden sollen. Um über die Umstellung zu sprechen, lud der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) als Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft die Branche nach Berlin ein.

Einen der spannendsten Aspekte des Symposiums stellte Stephan Tromp, Geschäftsführer der IFS Management GmbH, vor. Denn: Selbst, wenn die Kontrollverordnung die europaweite Zusammenarbeit fördert und ausdrücklich auch einfordert, kommt doch ein großer Teil der Lebensmittel oder deren Rohwaren aus der ganzen Welt. Das zeigt sich beim Einkauf im Supermarkt. Doch wie kann eine ausreichende Kontrolle auf internationaler Ebene gesichert werden?

Mehr als 20.000 Betriebe sind IFS-zertifiziert – weltweit

In diese Lücke springt der International Featured Standards (IFS). Basierend auf dem Codex Alimentarius, der Good Manufacturing Practice und allgemeiner Qualitätsnormen fasst er die Basisanforderungen für die Herstellung von Lebensmitteln zusammen. Ursprünglich aus einer Initiative mehrerer Handelsunternehmen zur Kontrollsicherung ihrer neu entstandenen Eigenmarken hervorgegangen, ist der IFS heute weit mehr repräsentativ. Stephan Tromp sagt dazu: „Mittlerweile umfasst das Setting acht verschiedene Standards und zwei Einstiegsprogramme.“ Inzwischen lassen sich mehr als 20.000 Betriebe weltweit mit dem IFS zertifizieren. „Diese hohe Zahl zeigt die Dynamik, die das Projekt in den letzten 15 Jahren genommen hat“, so Tromp weiter.

Das Problem in globalen Lieferketten ist laut dem IFS-Geschäftsführer nach wie vor, dass sich die Empfänger von Vorprodukten nahezu blind auf ihre Lieferanten verlassen. Tromp: „Viele fragen sich nicht, was alles in der vorgelagerten Lieferkette passieren kann“.

Dort schauen die IFS-Kontrolleure aber hin. Der IFS deckt mit seinen Standards alle Prozessschritte nach der Landwirtschaft bis zum Supermarktregal ab und bezieht auch den Verpackungsbereich mit ein. Kernaufgabe ist und bleibt jedoch die Pflege eines Standards für den Industriebetrieb. Das „Herz“ des IFS ist das technische Komitee, das sich aus 25 Händlern und Herstellern zusammensetzt.

Das Kontrollregime des IFS umfasst in Bezug auf die Lieferkette die folgenden Punkte:

  1. Risikoanalyse der Rohstoffe:
    Hier liegt das Augenmerk auf Food Fraud. Voraussetzung für eine Zertifizierung ist, dass der jeweilige Betrieb seine Rohware auch tatsächlich daraufhin kontrolliert.
  2. Risikobetrachtung der Ursprungsländer:
    Aufgrund der internationalen Vernetzung kommt die Ausgangsware nur selten von einem Hersteller oder aus einem einzelnen Land. Politische Rahmenbedingungen und mögliche Embargos müssen neben Lebensmittelfragen in Bezug auf Rohstoffe ebenfalls beachtet werden.
  3. Lieferantenauswahl:
    Viele Betriebe sind sich der Risiken nicht bewusst. Hier bietet sich der Organisierten Kriminalität vielfach eine gute Einstiegsmöglichkeit, um ihre gefälschten und gestreckten Produkte in den regulären Warenkreislauf einzubringen.
  4. Risikoplan:
    Welche Risiken müssen konkret beachtet werden und wie wirken sich diese Risiken aus? Wie kann der jeweilige Betrieb präventiv vorgehen? Ein valider Risikoplan erhöht das Qualitätsmanagement und ist Voraussetzung für den IFS.

Der Standard IFS FOOD

Der IFS Food Standard ist ein von der Global Food Safety Initiative (GFSI) anerkannter Standard für die Auditierung von Lebensmittelherstellern. Der Schwerpunkt liegt auf Lebensmittelsicherheit und der Qualität der Verfahren und Produkte. Der Standard gilt für die Verarbeiter von Lebensmitteln ebenso wie für Unternehmen, in denen unverpackte Lebensmittel konfektioniert werden.

Lebensmittelsicherheit steht hier im Vordergrund, aber auch die Berücksichtigung der sogenannten Food-Quality. Unterschieden wird zwischen der fahrlässigen Verfälschung von Lebensmitteln, etwa in Form zufälliger Kontaminierung und der kriminellen, absichtlichen Verfälschung. Hier wird wiederum zwischen Food Integrity und Food Defence unterschieden. Insbesondere Letztere ist noch ein Entwicklungsfeld für viele Betriebe. Durch Zutrittskontrollen und weitere Maßnahmen gegen die absichtliche Produktfälschung kann die Sicherheit noch verbessert werden. Stephan Tromp wirbt vor den Experten um Verständnis: „Food Defence ist auch ein Stück weit Eigenschutz, der sich beim Vorgehen gegen Diebstähle positiv auswirkt.“

Ende 2017 wird eine neue Version des IFS Food 6.1 veröffentlicht. Diese neue Version wird in großen Teilen der jetzt gültigen IFS Food Version 6 entsprechen, aber zusätzlich mit einem neuen Kapitel Food Fraud ergänzt. Jeder Betrieb muss dann ein Risikomanagement im Bereich Food Fraud haben. Des Weiteren ist geplant, dass der neue Standard IFS Food 7 darüber hinaus im Herbst 2018 erscheint. Darin wird u. a. die Anforderungen an das Risikomanagement konkretisiert werden. Es gilt: „Know your material and risks, know your suppliers and know the distribution chain.”